ZOSTER-NEURALGIE
Mit Zoster-Neuralgie ist die pos tzosterische Neuralgie gemeint, so lautet die korrekte Diagnose.
He
r
pes zoster ist eine neurodermale
(= Nerven und Haut betreffende)
Infektionskrankheit. Der Erreger ist der
He
r
pes-Varizellen-Virus. Als
Tröpfcheninfektion führt der Erstkontakt vorwiegend bei Kindern zu den bekannten
Windpocken, an sich eine harmlose Kinderkrankheit. Leider hat das Virus die
Eigenschaft, über Jahrzehnte in bestimmten Bereichen des Nervensystems zu
überleben, ohne daß Krankheitszeichen vorhanden sind. Kommt es aber zu einer
Schwächung des Immunsystems, so wird das Virus
reaktiviert und erreicht über sensible Nervenbahnen die Haut und es entsteht der
Her pes zoster.
Der Name Zoster kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Gürtel"
entsprechend der gürtelförmigen Hautausbreitung am Körperstamm. Aus diesem Grund
wird die Krankheit auch als Gürtelrose
bezeichnet. Der Her pes zoster
befällt überwiegend die Nervensegmente der unteren Brustwir belsäule, seltener
den Gesichts- (Gesichtsrose) bzw. Kopfbereich
(Kopfrose) (Herpes
zoster ophthalmicus,
Herpes
zoster oticus).
Die Her pes zoster -Erkrankung beginnt mit brennenden,
juckenden
Schmerzen im Bereich der befallenen Nervensegmente und geht mit
Sensibilitätsstörungen (= Störungen der Empfindung, des
Fühlens) einher. Schon die Berüh rung
der Haut im befallenen
Bereich verursacht starke Schmerzen (eine sog.
Allodynie). Einige Tage später
bilden sich Hauterscheinungen wie rote Flecken, Pusteln und Papeln aus. Diese
sog. Effloreszenzen heilen in der Regel nach 2 - 4 Wochen ab und normalerweise
verschwinden dann auch die Schmerzen wieder. Wenn der Ner venschmerz die
Hauterscheinungen des Her pes zoster überdauert, meistens nach 4-6
Wochen, dann ist die Krankheit in die Zoster-Neuralgie übergegangen.
Zehn Prozent aller Patienten mit Her pes zoster -Affektion entwickeln eine Zoster-Neuralgie
(Loeser
1986). Begünstigend für das Auftreten einer Neuralgie nach
(Her pes) Zoster sind:
Die Inzidenz (= Anzahl neuer Erkrankungsfälle) an Neuralgie nach Zoster beträgt 20-60 Prozent bei den über 60jährigen (Struppler 1988).
Der Schmerzcharakter bei der Zoster-Neuralgie wird von den Patienten uneinheitlich beschrieben: anhaltend tief drückend oder brennend, blitzartig einschießend, stechend und brennend. Fast regelmäßig besteht im Schmerzbereich eine Sensibilitätsstörung (= Störung des körperlichen Empfindens), so in Form einer Hyperpathie (= Sensibilitätsstörung als Überempfindlichkeit gegenüber allen örtlichen Reizen) oder auch Hyperalgesie (= herabgesetzte Schmerzschwelle) bis hin zu einer Allodynie (= schon die Berüh rung der Haut im befallenen Bereich führt zu Schmerzen).
Die Behandlung der akuten Her pes zoster-Erkrankung wird in www.guer telrose-schmerztherapie.de beschrieben.
Behandlung der Zoster-Neuralgie:
Beim
Entstehungsmechanismus der Neuralgie nach Her pes
zoster spielen sowohl zentrale (= im Rückenmark)
als auch periphere (= außerhalb des Rückenmarks) Nervenläsionen eine Rolle. Dementsprechend werden
verschiedene Therapiemaßnahmen, die zentral oder/und peripher angreifen,
unterschiedlich erfolgreich sein (Hefermann und Le ser 1992).
Die
Therapie der Zoster-Neuralgie ist äußerst schwierig und setzt große
Erfahrung voraus. Dabei ist häufig eine gezielte "Polypragmasie"
(= Durchführung mehrerer Maßnahmen gleichzeitig)
erforderlich. Die Patienten betreiben zum Teil einen Schmerzmittelmissbrauch oder
sind gar bereits abhängig, so daß vorrangig eine
Entzugsbehandlung erforderlich
ist. Infolge des chronischen Schmerzes entwickeln sich öfters psychische
Veränderungen, so daß auch
psychotherapeutische Interventionen notwendig werden.
Eine systemische medikamentöse Therapie der Neuralgie nach Zoster mit Schmerzmittel nach dem WHO
(= Weltgesundheitsorganisation)
-Stufenschema sollte zumindest ab Stufe 3 (z.B. Gabe von Morphin) erst dann
eingesetzt werden, wenn die Therapie mit Psychopharmaka, Antiepileptika
(= Mittel gegen das Anfallsleiden, auch bei
bestimmten Schmerzen wirksam) und
nichtmedikamentösen Verfahren, sowie perkutaner
(= durch die Haut hindurch)
Medikamentenanwendung ausgeschöpft wurde. Schmerzlindernde
Antidepressiva (z.B. Doxepin,
Maprotilin) (= Mittel gegen Depression),
evtl. auch in Kombination mit
Neuroleptika
(z.B. Levomepromazin)
(= Mittel zur psychischen Behandlung, aber auch gegen Schmerzen wirksam),
verschaffen Patienten mit Zoster-Neuralgie häufig
Linderung. Wir bevorzugen Amitriptylin in einer Tagesdosis von bis zu 75 mg, da
es in Kombination mit Analgetika, Antiepileptika und oder Neuroleptika stärker
wirksam ist.
Gegen die Zoster-Neuralgie wirken am besten
sog. Antiepileptika (= eigentlich Mittel gegen die Fallsucht,
aber auch bei Zoster-Neuralgie hilfreich). Als erste
Wahl gelten heute Gabapentin (Neurontin®) oder Pregabalin (Lyrica®), als 2. Wahl Carbamazepin (z.B.
Tegretal®).
Zur Wirkstoffeinsparung und damit Reduzierung der
Nebenwirkungen kann Carbamazepin bzw. Gabapentin oder Pregabalin mit Baclofen
(= ein Mittel zur Muskelentspannung) kombiniert
werden. Manchmal ist auch die Verordnung von Keltican®
(= ein Mittel, das z.T. Nervenschäden reparieren kann)
hilfreich.
Zur perkutanen (= durch
die Haut hindurch) medikamentösen Therapie
der Neuralgie nach Zoster eignet sich Acetylsalicylsäure
(= bekannt als Aspirin®) z.B. in Ether
gelöst,
wobei allerdings durch ASS eine Ablösung der Hornschicht der Haut und bei Lösung
in Chloroform dessen Leber- und Nierengiftigkeit zu beachten ist (Zenz
1994).
Capsaicin, Inhaltsstoff des spanischen Pfeffers, als Creme (0,025-0,075%)
verabreicht, kann ebenfalls schmerzlindernd wirken. Allerdings tolerieren einige
Patienten nicht die mit der Anwendung verbundenen Hautreizungen und
vorübergehende Schmerzverstärkung.
Auch eine Iontophorese
(= Verabreichung von Wirkstoffen durch die Haut mit Hilfe von Gleichstrom)
mit Vincristin, ist zur Behandlung der Zoster-Neuralgie geeignet, wenn die
Zoster-Erkrankung nicht länger als 6 Monate zurückliegt (Layman
1986).
In der medizinischen Literatur wird die Ansicht vertreten, daß die Erfolgsrate der therapeutischen
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel)
bei der
Zoster-Neuralgie abhängig von dem Zeitpunkt des Beginnes der
Schmerztherapie nach Ausbruch der Zoster -Erkrankung sei. Nach sechs Wochen (Hempel
1993) beziehungsweise 3 Monate (Zenz 1994) sei die Zoster-Neuralgie in den meisten Fällen durch Nervenblockaden
(= Ner venbetäubungen)
nicht mehr günstig zu beeinflussen. Auch Loeser (1986) räumt der
therapeutischen Lokalanästhesie bei Patienten mit älterer Neuralgie nach
Zoster kaum noch Nutzen ein.
Dem widersprechen aber die
Erfahrungen anderer Autoren. Auch Hefermann und Leser (1992) berichten über gute Erfolge mit
Ner venblockaden, sofern diese konsequent durchgeführt werden. Folgendes
Vorgehen hat sich bewährt: Nach einer positiven, schmerzlindernden Testblockade
wird eine Serie von Ner venblockaden mit einem lang wirksamen örtlichen Betäubungsmittel (z.B.
Bupivacain in einer Konzentration von 0,25%)
durchgeführt, wobei anzustreben ist, die Folgeblockade immer dann anzusetzen,
wenn die vorhergegangene eben abgeklungen ist. Dazu bieten sich kontinuierliche
Verfahren mittels Kathetertechnik (=
Einpflanzung eines dünnen Kunststoffschlauch dicht an den betroffenen Nerv)
an.
Viele Autoren betonen bei der Zoster-Neuralgie die Effektivität von Blockaden des Sympathikus (= sog. autonomes, selbständiges Nervensystem) (z.B. Auberger 1990, Hempel 1993).
Topische (= eine örtliche, oberflächlich wirkende) Lokalanästhesie der betroffenen Hautareale, zum Beispiel mit Lidocain-Spray oder Lidocain-Prilocain Creme (EMLA®), wird bei Neuralgie nach Zoster von verschiedenen Autoren eingesetzt (Milligan 1989). Bei abnehmender Wirkung im Behandlungsverlauf ist an eine Tachyphylaxie (= Wirkungsabschwächung bei wiederholter Anwendung) zu denken. Zudem können bei lokaler Anwendung zusammen mit Ner venblockaden toxische (= giftige) Lokalanästhetikakonzentrationen erreicht werden.
Weitere Therapiemaßnahmen bei einer Neuralgie nach Zoster:
Hier gelangen Sie zu weiteren Zos ter-Dateien: Zoster Nervus oticus, Zoster Nervus ophthalmicus, Zoster im Gesicht, Zoster am Kopf.
k 17.12.05